Die RAIQA Erfolgsstory – Wenn eine Bank ihre Komfortzone verlässt

RAIQA, credits: Simon Fischler

7 Jahre Transformation: 450 Mitarbeiter:innen, 6 Jahre Ersatzquartier, 1 große Vision

 
 

Wenn die Tiefgarage den Wandel erzwingt

Manchmal sind es die unerwarteten Momente, die große Veränderungen anstoßen. Für die Raiffeisen-Landesbank Tirol war es eine baufällige Tiefgarage im Stammhaus in der Innsbrucker Adamgasse. Was zunächst wie ein Rückschlag aussah, wurde zur Chance für einen grundlegenden Wandel: von traditionellen Arbeitsstrukturen hin zu modernen, kollaborativen Arbeitsformen.


Die Ausgangslage:

  • 450 Mitarbeiter:innen in einem Plattenbau aus den 70ern

  • Traditionelle Bankenstruktur mit Einzelbüros für Führungskräfte und kleinteiligen 2-3 Personen-Büros mit fixen Arbeitsplätzen für alle Mitarbeiter:innen

  • Notwendigkeit der Sanierung als Chance für moderne Arbeitsformen

Statt einfach an einen anderen Standort zu übersiedeln, entschied sich der Vorstand für einen mutigen Schritt: Das alte Gebäude sollte komplett neu gedacht werden. Die Vision: Ein modernes RAIQA – ein völlig neues Quartier und mittendrin eine Bank, die Zusammenarbeit neu gestaltet.


Das Projekt: Raum-Mensch-Organisation

Von Beginn an begleitet BRAINS AND GAMES gemeinsam mit M.O.O.CON die RLB Tirol durch diesen komplexen Transformationsprozess. Das Besondere: Es geht nicht nur um neue Räume, sondern um die Verbindung von Raum, Mensch und Organisation.


Projekt im Überblick:

  • Zeitraum: 2017-2025

  • Besonderheit: Partizipativer Ansatz mit fast 10% der Belegschaft als Nutzervertreter:innen

  • Ziel: Von Einzelbüros mit Fixed Desk zu Open Space mit Shared Desk (Ratio 0,65)

  • Projektkoordination: Frau Mag. Katrin Troyer-Socher (RLB Tirol)

💡 Tipp: "Echte Transformation beginnt oft mit einer Notwendigkeit, nicht mit einer Strategie. Nutzen Sie äußere Umstände als Chance für innere Erneuerung."

Die drei größten Herausforderungen

1. Kulturwandel: Von Einzelbüros zu Open Space

Das Problem: Führungskräfte verlieren ihren „Safe Space“ und "Statussymbole"; Teams müssen lernen, mit weniger Privatsphäre umzugehen und sich in der gemeinsamen Homebase stärker abzustimmen

Der Lösungsweg: Schrittweise Gewöhnung im Ersatzquartier

  • Zunächst große Flächen ohne Einzelbüros, aber noch mit festen Arbeitsplätzen

  • Führungskräfte arbeiten direkt im Team

  • Intensive Begleitung durch erlebnisorientierte Methoden

2. Compliance meets Offenheit

Das Problem: Banken unterliegen strengen Compliance-Regeln. Diskrete Kundengespräche in offenen Räumen?

Unsere Lösung: Architektur + Verhalten kombinieren

  • Architektonisch: Nie mehr als 4 Arbeitsplätze in einer Insel, Akustikpaneele, Grünpflanzen

  • Verhaltensregeln: Gemeinsam entwickelte Spielregeln für Arbeitsbereiche

  • Räumliche Trennung: Spezielle Bereiche für compliance-kritische Gespräche

3. Partizipation strukturieren

Das Problem: knapp 10% der Belegschaft als Nutzervertreter:innen einbinden, ohne dass das Projekt im Chaos versinkt.

Unsere Lösung: strukturierte Arbeitsgruppen + Learning Journeys

  • Klare Rollen und Verantwortlichkeiten

  • Learning Journeys zu Best Practice Beispielen (Berlin, München, Wien)

  • Kontinuierliche Kommunikation mit allen Stakeholdern

Bewährte Methoden – maßgeschneidert angewendet

Systemische Konsent-Entscheidung & Delegation Poker

  • Systemischer Konsent: Nicht alle müssen "ja" sagen, aber niemand darf schwerwiegende Einwände haben

  • Delegation Poker: Führungskräfte reflektieren, welche Entscheidungen sie abgeben können

  • Effektive Konfliktkommunikation

Hybrid-Konfigurator

Ein Tool, das Teams dabei unterstützt, ihre gemeinsamen Präsenztage zu planen - partizipativ statt Top-Down. Teams können selbstorganisiert entscheiden, wann Präsenz sinnvoll ist.

Der Führungsparcour

Führungskräfte gehen gemeinsam einen Parcours mit Hindernissen. Die Erkenntnis: Jede:r braucht eine andere Art der Führung. Diese Einsicht war fundamental für das neue Führungsverständnis in der offenen Arbeitslandschaft.

RAIQA, credits: Simon Fischler

 
 

Messbare Erfolge

Mitarbeiter:innenzufriedenheit: Hohes Niveau trotz Transformation gehalten

Fluktuation: Keine Erhöhung der Austrittsrate während der Transformation

Produktivität: Führungskräfte und Mitarbeiter:innen sind durch die intensive Vorbereitung startklar für die neuen Arbeitsformen (z.B. Desk Sharing)

Psychologische Eigentümerschaft: Deutlich gestiegen bei Nutzervertreter:innen

"Ich kann mich einbringen, ich werde gehört, meine Ideen sind relevant" - So beschreiben die Nutzervertreter:innen ihr Gefühl nach dem Partizipationsprozess.

Ein Erfolgsfaktor: Die Menschen hinter dem Projekt

Der Vorstand der RLB Tirol hat Mut bewiesen, indem er nicht nur ein Gebäude saniert, sondern eine komplette Transformation gewagt hat.

Kein Projekt dieser Größenordnung gelingt jedoch ohne die richtigen Menschen. Bei der RLB Tirol bildete sich eine außergewöhnliche Partnerschaft aus vielen Expert:innen:

Mag. Katrin Troyer-Socher und Mag. (FH) Christian Klocker von der RLB Tirol waren nicht nur Ansprechpartner:innen, sondern echte Projektchampions. Ihre professionelle Koordination und ihr Verständnis für Change-Prozesse waren entscheidend für den Erfolg.

Die Kooperation mit M.O.O.CON hat gezeigt, wie wertvoll es ist, verschiedene Expertisen zu kombinieren. Gemeinsam konnten wir Lösungen entwickeln, die keiner von uns alleine hätte schaffen können.

Andreas Rath, Organisationsberater und Gründer von BRAINS AND GAMES, war von Anfang an in das Kultur- und Raumentwicklungsprojekt der RLB Tirol eingebunden. Er begleitete unter anderem die Erarbeitung von Objektzielen, einer der Grundlagen dieser umfassenden Transformation.

Christian Hauser von BRAINS AND GAMES begleitete als Organisationsberater über viele Jahre diese Transformation. Seine Expertise in der Organisationsentwicklung und sein systemischer Blick auf komplexe Veränderungsprozesse prägten das Projekt maßgeblich.

Was Sie für Ihr Projekt mitnehmen können

Erfolgsfaktoren:

  • Partizipation von Anfang an: Nutzervertreter:innen aus verschiedenen Bereichen

  • Schrittweise Gewöhnung: Ersatzquartier als "Übungsplatz" nutzen

  • Führungskräfte intensiv begleiten: Neue Kompetenzen entwickeln

  • Architektur + Verhalten: Räumliche und kulturelle Lösungen kombinieren

Häufige Fehler:

  • Compliance-Themen unterschätzen

  • Zu schnell zu viel verändern wollen

  • Interne Stakeholder vernachlässigen

Angekommen: DAS RAIQA im Vollbetrieb

Seit Mai 2026 arbeitet die Raiffeisen-Landesbank Tirol im neuen RAIQA-Gebäude in der Innsbrucker Adamgasse. Nach sechs Jahren im Ersatzquartier sind die 450 Mitarbeiter:innen in die offenen, kollaborativen Arbeitswelten eingezogen, die über sieben Jahre hinweg gemeinsam erarbeitet wurden. Was mit einer baufälligen Tiefgarage begann, steht heute für eine Bank, die ihre Art der Zusammenarbeit neu gestaltet hat.

Die intensive Vorbereitung im Ersatzquartier zahlt sich jetzt aus: Desk Sharing, gemeinsame Homebases und die neuen Spielregeln für Compliance und Meetingkultur sind im Arbeitsalltag angekommen.

"Durch die Begleitung von BRAINS AND GAMES konnten wir diesen Kultur-Entwicklungsprozess hin zu neuen Arbeitswelten professionell gestalten. Der Austausch auf Augenhöhe, die wirksamen Impulse und die neuen Perspektiven waren dabei maßgeblich für den Erfolg. Besonders wertvoll empfanden wir den inspirierenden Blick von außen, der uns geholfen hat, für unsere künftigen Arbeitswelten und die Unternehmenskultur durchaus unterschiedliche Ansatzpunkte einzubeziehen. Gemeinsam haben wir wichtige Themen wie Führungsverständnis, hybrides und virtuelles Führen sowie Selbstverantwortung im Team in den Mittelpunkt gestellt und auch das Konfliktmanagement und die Meetingkultur aktiv weiterentwickelt. So konnten wir die Kultur und die Art der Zusammenarbeit in der Raiffeisen-Landesbank Tirol gezielt gestalten und nachhaltig stärken."

Mag. Katrin Troyer-Socher, Raiffeisen-Landesbank Tirol

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