Die Kärntner Sparkasse

Außenansicht der Kärntner Sparkasse von Daniel Waschnig Photography

Der New Way of Work hinter der denkmalgeschützten Fassade

Autorin: Manuela Trattner, Kommunikationsexpertin bei BRAINS AND GAMES

Erfolgreiche Raum- und Kulturentwicklung am Neuen Platz, getragen von den Menschen, die darin arbeiten.

Ein neues Haus lässt sich planen. Eine neue Art der Zusammenarbeit muss wachsen. Die Kärntner Sparkasse hat sich für beides Zeit genommen. Drei Jahre, in denen das Haus am Neuen Platz und seine Teams zusammengefunden haben.

Über diese drei Jahre, von 2022 bis 2025, wurde der Hauptsitz in Klagenfurt kernsaniert. Ein denkmalgeschütztes Gebäude, außen erhalten, innen vollständig neu. Denn ein neues Haus verändert auch, wie 220 Mitarbeitende darin zusammenarbeiten. Genau dieses Zusammenspiel aus Raum, Mensch und Organisation hat BRAINS AND GAMES über die gesamte Laufzeit begleitet.

Mitreden, bis zum eigenen Spind

Ansicht der neuen Spinde in der sbase

Foto: Daniel Waschnig Photography

Wie ernst Beteiligung hier gemeint war, zeigt ein Detail, das man leicht übersieht. Die Spinde im neuen Haus wurden nicht nach Rang vergeben und auch nicht nach dem Prinzip „wer zuerst kommt“. Sie wurden verlost, mit der Möglichkeit, hinterher zu tauschen.

Solche Kleinigkeiten sind kein Zufall, sondern Prinzip. Wer mitgestalten darf, trägt die Veränderung mit. Das Rückgrat dafür waren die Nutzervertreterinnen und Nutzervertreter, ausgewählt nach einem klaren Profil:

  • Offen für Veränderung und konstruktiv in der Mitarbeit

  • Im Haus anerkannt und gut vernetzt, unabhängig vom Titel

  • Ausdrücklich auch Skeptikerinnen und Skeptiker, deren Fragen die Fragen vieler anderer waren

Ihre Rolle war die von Übersetzenden in beide Richtungen: aus der Transformation in die Belegschaft und wieder zurück. Damit das kein Papierauftrag blieb, trafen sie sich regelmäßig, in einem Rahmen, der sich nicht wie ein weiteres Meeting anfühlte.

Erst proben, dann einziehen

Der vielleicht klügste Teil der Transformation: Niemand musste am ersten Tag im neuen Haus einfach funktionieren. Das neue Arbeiten wurde vorher geübt, an zwei Orten.

Zuerst in den Ausweichquartieren, in die die Teams schon 2023 zogen. Desk Sharing, Clean Desk, Telefonieren neben Kolleginnen, Videocalls im Großraum: ausprobiert, als ein Fehler noch nichts kostete.

Dann, 2024, auf einer eigenen Pilotfläche. Ein echter Testraum mit 20 Arbeitsplätzen, durch den die Teams in Gruppen von rund 30 Personen für jeweils sechs Wochen zogen. Das Besondere daran:

  • Fünf Räume mit fünf verschiedenen Büromöbelherstellern, damit am Ende feststand, woran und worauf sich wirklich gut arbeiten lässt

  • Eine Tischbuchung, die klein anfing, als Excel-Tabelle, dann zur eigenen App wurde und schließlich zum professionellen Tool

  • Nach jeder Runde ein Debriefing: Was hat getragen, was fliegt wieder raus?

So wurde die künftige Fläche nicht am Reißbrett entschieden, sondern von den Menschen, die später darin arbeiten.

„Architektur ist dann erfolgreich, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Beim Umbau am Neuen Platz war es uns daher wichtig, die Kolleginnen und Kollegen aktiv in den Planungs- und Gestaltungsprozess einzubinden.

Es war beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neben ihrem Bankalltag eingebracht haben. Mit jeder Projektphase wuchs die Identifikation mit den neuen Räumlichkeiten. Aus dem Umbauprojekt wurde Schritt für Schritt ihr gemeinsames Projekt.

Die durchwegs positiven Rückmeldungen und die sichtbare Begeisterung bei der Eröffnung haben gezeigt, dass dieser Weg richtig war. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das nicht nur funktional überzeugt, sondern auch von den Menschen getragen wird, die darin arbeiten.“

Carina Burgstaller, Projektleiterin der Kärntner Sparkasse AG

Wenn Führung plötzlich sichtbar wird

Auf einer offenen Fläche lässt sich Führung nicht mehr hinter einer Bürotür erledigen. Wer ein Team in einer gemeinsamen Homebase führt, wird gesehen, im Guten wie im Fordernden. Also wurde ein gemeinsames Führungsverständnis erarbeitet, und zwar nicht nur mit den Führungskräften:

  • Sieben Führungsprinzipien, gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitenden entwickelt

  • Eine strukturierte Standortbestimmung mit 80 Personen quer durch alle Ebenen

  • Daraus die Werte, die das Haus heute prägen: verlässlich, menschlich, vielfältig, mutig, verantwortlich, regional

Wenn der Vorstand kein Einzelbüro mehr will

Am deutlichsten wird Haltung oben. Der dreiköpfige Vorstand teilt sich ein gemeinsames Büro. Die Begründung ist unaufgeregt: Wenn der Vorstand kein Einzelzimmer braucht, braucht es keiner. Und die Spielregeln gelten auf jedem Stockwerk gleich.

Ein Haus mit Spielregeln

@work in der neuen sbase der Kärntner Sparkasse

Foto: Daniel Waschnig Photography

Neue Räume allein verändern nichts, entscheidend ist, wie man sie nutzt. Statt eine große Fläche über alle zu stülpen, wurde das Haus in Zonen gedacht, die zum jeweiligen Tun passen:

  • Fokusräume für konzentriertes Arbeiten, Handy stumm, keine Telefonate, keine Videocalls

  • Arbeitsräume, in denen ein kurzes, leises Telefonat und die stille Teilnahme an einem Call in Ordnung sind

  • Begegnungszonen und ein lichtdurchfluteter Innenhof, über den man einander sieht und trifft

Dass es diesen Innenhof braucht, hat einen handfesten Grund. Konzentrierte Einzelarbeit gelingt heute oft im Homeoffice, wo die Ausstattung stimmt. Was dort nicht passiert, ist die zufällige Begegnung. Genau dafür kommt man ins Büro.

5 Erfolgsfaktoren, die diese Transformation getragen haben

Wer vor einem ähnlichen Schritt steht, findet die Erfolgsfaktoren hier in Kurzform:

  • Beteiligung von Anfang an, ehrlich gemeint bis ins kleinste Detail, samt der Stimmen, die skeptisch waren

  • Üben statt verordnen: das neue Arbeiten erst ausprobieren, dann einziehen

  • Führung gemeinsam entwickeln und sichtbar vorleben, beginnend beim Vorstand

  • Raum und Kultur zusammen denken, nicht nacheinander

  • Den Blick von außen zulassen. Peter Müllner, der die Transformation für BRAINS AND GAMES begleitet hat, nennt den größten Fehler solcher Vorhaben beim Namen: „Wir schaffen das alleine.“

Finale Innenansicht der Kärntner Sparkasse

Foto: Daniel Waschnig Photography

Angekommen

Im September 2025 ist die Kärntner Sparkasse eingezogen. Nach drei Jahren Vorbereitung und rund 55 Workshops verlief der Umzug reibungslos, fast beiläufig. Genau das war der Plan.

Heute steht am Neuen Platz ein Haus, das nach außen vertraut wirkt und innen ein anderes geworden ist. Ein Café im Erdgeschoss, eine Bar auf dem Dach, ein Innenhof voller Licht. Und Teams, die schon eingespielt waren, bevor sie ihre neuen Schreibtische zum ersten Mal gesehen haben.

Eine Transformation dieser Größe gelingt nur mit den richtigen Menschen. Bei der Kärntner Sparkasse waren das Markus Ogris-Lindner, Head of People and Culture, und Projektleiterin Carina Burgstaller mit ihrem Team rund um Manuela Hayden und Thomas Reiter. Begleitet wurde die Transformation von Peter Müllner und Christian Hauser für BRAINS AND GAMES.

Sie planen eine Transformation, bei der Raum und Kultur zusammengehören? Unsere Expert:innen begleiten Sie von der ersten Skizze bis nach dem Einzug.

 

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