Alle nutzen KI, aber niemand verantwortet sie.

Klärungen, die vor der Einführung fällig sind…

Die Werkzeuge sind da. In den meisten Häusern hat sie niemand angeordnet, sie waren einfach irgendwann im Einsatz. Jemand hat etwas ausprobiert, es hat funktioniert, und seither läuft es. Über die Frage, ob das so gedacht war, schweigt man dann lieber. Man will ja schließlich keine schlafenden Hunde wecken.

Was das kostet

Solange dabei brauchbare Ergebnisse herauskommen, fällt das niemandem auf. Das ist aber nicht immer so. Das spüren wir schon länger. Seit September 2025 gibt es dazu auch Zahlen.

BetterUp Labs und das Stanford Social Media Lab haben 1.150 Vollzeitbeschäftigte in den USA befragt und für das, was sie gefunden haben, einen Namen erfunden: Workslop.

Gemeint sind maschinell erzeugte Arbeitsergebnisse, die professionell aussehen und die Aufgabe trotzdem nicht weiterbringen.

Die glatte Präsentation mit der erfundenen Zahl. Hoppala. Die Zusammenfassung, die zwar gut aussieht, aber wenig aussagt. Oder vielleicht sogar der Code, der fehlerfrei läuft, aber das Falsche tut?

Vierzig Prozent der Befragten hatten in den letzten 4 Wochen solche Ergebnisse von Kolleginnen oder Kollegen bekommen. Jeder einzelne Fall kostete im Schnitt knapp zwei Stunden. Zeit, die es brauchte, bis er brauchbar war. Und wer sich mit soetwas abmühen muss, traut der Person, die es geschickt hat, beim nächsten Mal weniger zu.

Die eingesparte Zeit ist damit nicht weg, sie wechselt nur den Schreibtisch. Sie landet bei jemandem, der sie nicht eingeplant hat und der für die Korrektur eigentlich auch gar nicht zuständig ist.

Jeff Hancock, der die Studie auf Stanford-Seite verantwortet hat, sieht die Ursache in pauschalen Vorgaben. Führungskräfte fordern zur Nutzung von KI auf, sagen aber nicht, wofür genau und woran ein gutes Ergebnis zu erkennen ist.

Warum das kein IT-Thema ist

Wenn ein Team Zugang zu einem Werkzeug bekommt, das Texte schreibt, Code erzeugt oder Daten auswertet, verändert sich nicht nur die Arbeitsweise. Es verändern sich Rollen, Verantwortlichkeiten und die Art, wie Menschen zusammenarbeiten. Aufgaben, für die früher jemand zuständig war, werden plötzlich von der Person erledigt, die zuerst auf die Idee kommt.

Aus einer Anschaffung wird damit eine Organisationsfrage, und die lässt sich nicht durch eine Einführung beantworten.

Sichtbar wird das an einer Kleinigkeit. Fragt man in einer Runde, wer im Haus entscheidet, welche Werkzeuge erlaubt sind, zeigen die Anwesenden meistens aufeinander. Die IT verweist auf die Fachbereiche, die Fachbereiche auf die Geschäftsführung, die Geschäftsführung auf die IT.

Der Pilot, der nichts beweist

In fast jedem Haus gibt es inzwischen Pilotprojekte, und viele davon funktionieren. Sie funktionieren allerdings im kleinen Rahmen, unter Bedingungen, die im Alltag nicht gelten. Wer an einem Piloten teilnimmt, hat sich meist selbst dafür gemeldet und will, dass die Sache gelingt. Im Regelbetrieb hat niemand diesen Ehrgeiz. Dort soll es einfach funktionieren, auch bei denen, die nie gefragt wurden.

Wenn es dann breiter ausgerollt wird, scheitert es an Dingen, die mit Technik nichts zu tun haben: an unterschiedlichen Haltungen im Team, an fehlenden Zuständigkeiten und an der Müdigkeit gegenüber der nächsten Umstellung. Ein Pilot zeigt, dass etwas technisch geht. Ob eine Organisation es trägt, zeigt er nicht.

Vier Haltungen, alle berechtigt

In jedem Team gibt es…

  • Menschen, die jedes neue Werkzeug sofort ausprobieren.

  • Jene, die abwarten, was sich bewährt.

  • Jene, die Risiken sehen und auf Sicherheit bestehen.

  • Jene, die befürchten, ersetzt zu werden.

Alle vier haben gute Gründe. Die Neugierigen finden die Anwendungsfälle, auf die sonst niemand käme. Die Abwartenden verhindern, dass jede Ankündigung sofort zur Umstellung führt. Die Vorsichtigen stellen die Fragen, die später ohnehin im Prüfbericht stehen. Und die Besorgten sprechen ein Risiko aus, das es tatsächlich gibt.

Wer nur die Neugierigen fördert, verliert die übrigen drei. Die Aufgabe besteht darin, alle vier im selben Raum zu halten, ohne dass eine Gruppe die anderen überstimmt.

Warum die Ansage von oben nicht reicht

Eine Geschäftsführung kann beschließen, dass ab sofort mit KI gearbeitet wird. Was sie nicht beschließen kann, ist die Qualität dessen, was dabei herauskommt. Qualität entsteht in den Teams, an konkreten Aufgaben und im Umgang mit konkreten Daten.

Die Workslop-Zahlen zeigen, was passiert, wenn nur der Beschluss ankommt. Es wird mehr produziert, es sieht besser aus, und die Nacharbeit steigt. Eine Anordnung ohne Maßstab erzeugt keine Nutzung, sie erzeugt Menge.

Umgekehrt reicht es genauso wenig, auf die Fachbereiche zu warten. Wo niemand entscheidet, baut sich jede Abteilung ihre eigene Lösung. Jede davon ist für sich sinnvoll, nebeneinander ergeben sie keinen Betrieb.

Regeln, die ermöglichen

Compliance und Datenschutz gelten als Gegner der Geschwindigkeit. In der Praxis passiert das Gegenteil. Wo nichts festgelegt ist, werden Bedenken in E-Mails diskutiert und nirgends geklärt. Führungskräfte wissen nicht, was ihre Teams einsetzen, und niemand trägt die Verantwortung für das Ganze.

Seit dem 2. Februar 2025 gibt es dazu auch eine Pflicht. Artikel 4 der EU-KI-Verordnung verlangt von jedem Unternehmen, das KI-Systeme einsetzt, dafür zu sorgen, dass die Menschen, die damit arbeiten, auch etwas davon verstehen. Man muss die Systeme nicht selbst entwickelt haben, es reicht, sie zu benutzen. Die Verordnung verlangt damit, was ohnehin vernünftig wäre.

Klare Regeln nehmen Tempo aus dem Anfang und geben es später zurück. Dabei muss niemand ein Regelwerk schreiben. Für den Anfang genügt eine Seite: welche Werkzeuge freigegeben sind, welche Daten hineindürfen und wen man fragt, wenn ein Fall nicht darin vorkommt. Wer diese Seite hat, diskutiert die Frage einmal statt bei jeder Gelegenheit.

Drei Klärungen

Bevor die erste Lizenz gekauft wird, sind drei Fragen zu beantworten.

  1. Welcher Anwendungsfall ist reif genug für den Echtbetrieb?

  2. Wer steht gerade, wenn ein maschinelles Ergebnis falsch ist?

  3. Wo im Haus ist festgehalten, was erlaubt ist und was nicht?

Wer sie überspringt, spart nichts. Der Aufwand verschwindet nicht, er taucht später wieder auf, bei jemandem, der das Ergebnis nicht bestellt hat und zwei Stunden braucht, um es geradezubiegen.

„Nach der Einführung von KI sollten weniger Fragen offen sein als davor. Wenn die Zahl steigt, wurde etwas übersprungen.“

Sie sind bereit, die richtigen Fragen zu stellen? Wir begleiten Sie gerne dabei!

 

Quellen

BetterUp Labs und Stanford Social Media Lab, Workslop-Erhebung, Onlinebefragung von 1.150 Vollzeitbeschäftigten in den USA, September 2025.

Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz, Artikel 4.

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